FAQ 40 PVS - Wie kann ich Muskelknoten lösen und wann soll ich mit dem stufenweise fortschreitenden Fokussiertraining anfangen?

Ich bin auf beiden Augen kurzsichtig bei einer Stärke von -7,5 Dioptrien; meine Kurzsichtigkeit hat vor zehn Jahren mit -0,5 Dioptrien eingesetzt.

1) Ich habe mit den Rotationsübungen angefangen und habe im rechten oberen Bereich des Gesichtsfelds eine Art Knoten entdeckt. Wenn ich mit den Augen um diese Stelle kreise, spüre ich auch in diesem Bereich von innen heraus einen Schmerz. Ist das eine chronische Anspannung? Ich glaube schon.

2) Was für einen Nutzen haben Rotationsbewegungen bei geschlossenen Augen?

3) Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um mit dem Fokussiertraining zu beginnen?

4) Da ich aus ganz kurzer Entfernung fokussieren muss, um klar zu sehen (zehn Zentimeter), würde ich gerne wissen, ob ich a) die Fokussierübungen ohne Brille machen oder b) die Übungen mit unterkorrigierenden Gläsern (zwei oder drei Dioptrien weniger als die vollständige Korrektur der Sehschwäche) machen oder c) Plusgläser vor meine Brille setzen soll oder ob es d) egal ist.

5) Wurde schon damit angefangen, die verschiedenen Ergebnisse zusammenzutragen, die mit dieser Methode gesammelt worden sind? Ich denke, eine Statistik wäre eine interessante Sache.


1) Chronische Anspannungen der Augenmuskeln zeigen sich, wenn die volle Leistung der Muskeln gefordert ist. Das kannst du überprüfen, indem du den Test zur korrekten Symmetrie und Koordination der Augenmuskeln durchführst, der im Buch vorgeschlagen wird. [Siehe dazu den Power-Vision-Test in Kapitel 2, Anm. des Verlags.] Es genügt, einen vor dir liegenden Punkt zu fixieren und die Augen symmetrisch kreisen zu lassen: Wenn wie in deinem Fall muskuläre Asymmetrien bestehen, das heißt ein Ungleichgewicht zwischen Länge und Elastizität der entgegengesetzten Muskeln vorliegt, spürt man genau das, was du als „Knoten“ beschreibst.

Wenn du wie im Buch beschrieben mit den Übungen fortfährst (aktiv-statisches Dehnen, Rotationsübungen), gehen diese Spannungen allmählich zurück. Du wirst spüren, dass deine Augen langsamer ermüden, da sie durch die Dehnungen und leichten Kontraktionen kräftiger geworden sind. Die kreisenden Augenbewegungen nehmen die kleinen, aber starken äußeren Augenmuskeln in ihrer vollen Leistungsfähigkeit und dem größtmöglichen Bewegungsradius in Anspruch. (Ganz im Gegensatz dazu sind sie beim Tragen einer Brille durch das Gestell „eingesperrt“; siehe dazu Abbildung 6.) Wenn du in der Vorbereitungsphase (im Buch 1. Phase des Augentrainings genannt) immer so weiter verfährst, wirst du auch erhebliche und sichtbare Verbesserungen bei der Fokussierung feststellen: Wer besser fokussiert, hat zum einen seine zentrale Fixation verbessert, das heißt die Muskeln sind besser koordiniert und können daher leichter auf der Netzhautgrube, der sensibelsten Stelle der Netzhaut, scharf stellen. Zum anderen funktionieren die sakkadischen Augenbewegungen besser.

Die äußeren Augenmuskeln werden nicht anders trainiert als jeder andere quergestreifte Körpermuskel. Um einen Muskel effektiv zu stärken, sollte man die Übungen bei maximalem Bewegungsradius ausführen, das heißt ihn maximal zusammenziehen und dehnen. In unserem Fall gehören zur Funktionalität des Muskels wie gesagt auch die sakkadischen Augenbewegungen. Du wirst merken, wie deine Grenzen sich durch das Üben am Rande der aktuellen Möglichkeiten immer weiter nach hinten verschieben.

2)
Die Antwort auf diese Frage findest du unter 1). Die Augen müssen, wie jedes andere Organ auch, gemäß ihrer Möglichkeiten genutzt werden, selbst geschlossene Augen. Denk nur daran, dass wir täglich Millionen Mal ganz natürlich und automatisch blinzeln. Durch steife und weit aufgerissene Augen behindern wir diese Funktion der Augen. Nicht zufällig ist typischerweise bei mittlerer und bei sehr ausgeprägter Kurzsichtigkeit genau das ein Problem. Wenn wir die geschlossenen Augen durch rotierende Bewegungen trainieren, bleibt der Zustand der fließenden Bewegung auch dann erhalten, wenn die Augen sich mal für den Bruchteil einer Sekunde schließen. Ein Auge mit zusammengezogenen Muskeln blinzelt „mechanisch“ und weniger schnell (dazu gibt es keine Statistiken, aber das kannst du ganz leicht selbst beobachten, indem du deine eigenen Augenbewegungen, die anderer Kurzsichtiger und Normalsichtiger miteinander vergleichst). Normal funktionierende Augen sind entspannter, arbeiten geschmeidiger und sind folglich effizienter, sowohl wenn sie offen als auch wenn sie geschlossenen sind. Trainiere die Rotationsbewegungen also auch bei geschlossenen Augen.

3)
Die erste Phase des Trainings, in der wir Muskelqualitäten wie Kraft, Flexibilität, Koordination und einwandfreies Funktionieren der sakkadischen Bewegungen wiederherstellen, ist grundlegend und Voraussetzung für jede weitere Verbesserung. Die Arbeit der zweiten Phase, nämlich das Fokussiertraining, muss nach der ersten Phase erfolgen. Es zu eilig zu haben und gleich mit dem Fokussiertraining zu beginnen, führt zu keinem guten Ergebnis, da man sich nicht auf gut funktionierende Muskeln stützen kann, die zum Fokussieren unbedingt notwendig sind. Sie sind genauso wichtig wie ein gut funktionierender Ziliarmuskel, der die Linse krümmt und, wie gesagt, ein glatter und kein quergestreifter Muskel ist.

Ich kann nicht voraussagen, wie viel Zeit du brauchen wirst, um diese Grundlage zu schaffen. Das variiert je nach Mensch und jeweiligem Sehfehler und hängt davon ab, wie lange man schon eine Brille trägt und wie viele Stunden man sie pro Tag aufhat. Was man sagen kann, ist, dass nach nur zwanzig Tagen des gezielten Dehn− und Rotationstrainings wohl jeder ausreichend vorbereitet sein sollte, um zum Fokussiertraining überzugehen. In keinem Fall soll mit den Rotationsübungen aufgehört werden. Solange du gehen willst, wirst du deine Beine benutzen müssen, so wie du das maximale Potenzial deiner Augen ausschöpfen musst, wenn du sehen willst. Das Argument erscheint mir klar und einleuchtend.

4) Übungsabstand beim Fokussiertraining: Hier ist weniger der Abstand als vielmehr der Grad der Unschärfe entscheidend. Man darf weder zu scharf noch zu unscharf sehen. Zu kurze Abstände sind nicht optimal, so wie bei dir ein Abstand von zehn Zentimetern: Das Auge, das in solch übertriebenem Maße konvergieren muss, könnte Schwierigkeiten haben, die Akkommodation und damit den Ziliarmuskel zu entspannen. Ich erinnere daran, dass dieser Muskel bei Kurzsichtigen durch übertriebenes Kontrahieren zu sehr angespannt ist. Der Ziliarmuskel zieht sich zusammen, um Objekte im Nahbereich scharf zu stellen. Bei Kurzsichtigkeit ist der Muskel permanent kontrahiert.

Wer das Defokussieren übt, muss also ganz besonders darauf achten, es mit der jeweils optimalen Unschärfe zu tun. Außerdem sehr wichtig ist, das Verhältnis zwischen Leseabstand und Dioptrienstärke der eventuell vorgesetzten Übungsgläser allmählich zu erhöhen. Aus diesem Grund spreche ich davon, den Defokus schrittweise zu trainieren. Wenn du heute mit oder ohne Übungsbrille bei einem Abstand von zwanzig Zentimetern den Übungstext klar erkennen kannst und du einen Monat später den gleichen Text bei einem Abstand von vierzig oder fünfzig Zentimetern scharf einstellen kannst, ist deine Fokussierfähigkeit gestiegen. Aus Gründen reiner Bequemlichkeit wirst du in dem Moment, wo du den Text weiter weghalten müsstest als deine Arme lang sind, die Unschärfe erhöhen. Das tust du zum Beispiel, indem du die Stärke deiner aktuellen Sehhilfe verringerst. Du kannst dazu deiner Brille Plusgläser vorsetzen, denn so wird ein Negativglas der Stärke -7 mit einem Plusglas der Stärke +3 auf -4 Dioptrien reduziert. Die Antwort auf deine Frage lautet daher d) es ist egal. Wichtig ist es, schrittweise für eine höhere Unschärfe zu sorgen.

5) Nur die Zeit und die Bemühungen von Fachleuten wie vorausschauende Augenärzte, Optometristen und spezialisierte Optiker können zu einer erfolgreichen Statistik verhelfen. Jede Sache braucht Zeit, verdaut zu werden und sich zu entwickeln.